Was der Code bedeutet, welche Ursachen dahinterstecken, wie Sie eingrenzen — und wann sich eine Reparatur lohnt. Aus der täglichen Werkstattpraxis, nicht aus dem Handbuch abgeschrieben.
Welche SEW-Fehlercodes gibt es?
Welche SEW-Fehlercodes gibt es? Die Fehlerliste der MOVITRAC- und MOVIDRIVE-Reihen reicht von F00 bis F113, dazu kommen Direktanzeigen wie O-t und Meldungen aus dem Motorschutz. Diese fünfzehn sehen wir in der Werkstatt am häufigsten — jeder Eintrag führt zur ausführlichen Beschreibung mit Ursachen und Prüfschritten.
| Code | Bedeutung |
|---|---|
| F01 | Überstrom |
| F03 | Erdschluss |
| F04 | Chopper-Fehler |
| F07 | Überspannung im Zwischenkreis |
| F08 | Drehzahlüberwachung |
| F11 | Übertemperatur Kühlkörper |
| O-t | Übertemperatur (Direktanzeige) |
| F14 | Kurzschluss Geber |
| F26 | Externer Fehler |
| F27 | Endschalter fehlen |
| F31 | Temperaturermittlung Motor |
| F43 | Timeout RS485 |
| F44 | Auslastung (I²t) |
| F79 | Lageregler / Feldbus |
| 4210 | Motor-Übertemperatur |
F01 — Überstrom
Was bedeutet F01? F01 meldet einen zu hohen Ausgangsstrom. In der Werkstattpraxis steckt dahinter meist ein Kurzschluss oder Erdschluss in Motorkabel oder Wicklung, eine zu steil eingestellte Beschleunigungsrampe — oder ein bereits geschädigtes IGBT-Modul im Umrichter selbst.
Mögliche Ursachen
| Ursache | Woran Sie es erkennen |
|---|---|
| Kurzschluss im Motorkabel oder in der Wicklung | Häufigste Ursache, besonders nach mechanischen Arbeiten an der Anlage |
| Rampenzeit zu kurz für die Massenträgheit | Tritt reproduzierbar beim Anfahren auf |
| Motor zu groß für den Umrichter | Nennstrom des Motors liegt über dem des Geräts — häufig nach einem Motortausch |
| Blockierte Mechanik | Motor kommt nicht hoch, der Strom läuft in die Begrenzung |
| Defektes IGBT-Modul | Fehler bleibt auch ohne angeschlossenen Motor bestehen — dann ist das Gerät betroffen, nicht die Anlage |
So grenzen Sie ein
- Motor abklemmen und Umrichter ohne Last freigeben. Bleibt F01, liegt der Defekt im Gerät.
- Isolationsmessung an Motorkabel und Wicklung gegen PE.
- Rampenzeit testweise verlängern — verschwindet der Fehler, war die Parametrierung die Ursache.
- Mechanik prüfen: Dreht der Antrieb von Hand frei?
Einschätzung aus der Werkstatt: Bleibt F01 ohne angeschlossenen Motor bestehen, ist die Leistungsendstufe betroffen. Der Tausch einzelner IGBT-Module ist in der Regel wirtschaftlich — ein Austauschgerät der Baureihe kostet ein Vielfaches.
F03 — Erdschluss
Was bedeutet F03? F03 meldet einen Erdschluss — Strom fließt gegen Erde ab, statt über die Motorwicklung zurück. Betroffen ist entweder der Motor selbst oder die Leitung zwischen Umrichter und Motor.
Mögliche Ursachen
| Ursache | Woran Sie es erkennen |
|---|---|
| Wicklungsschluss gegen PE | Isolationsmessung fällt bei einer oder mehreren Phasen ab |
| Beschädigtes Motorkabel | Scheuerstellen an Schleppketten, Kabeldurchführungen und Klemmkästen |
| Feuchtigkeit im Klemmkasten | Häufig nach Reinigung, Stillstand oder in feuchter Umgebung |
| Erdschluss nach längerer Lagerung | Der klassische Schaden an nicht formierten Geräten |
| Durchlegierte Endstufe im Gerät | F03 bleibt auch ohne angeschlossenes Motorkabel |
So grenzen Sie ein
- Motorkabel abklemmen und den Umrichter erneut freigeben. Bleibt F03, liegt der Fehler im Gerät.
- Isolationsmessung jeder Motorphase gegen PE — und die Phasen untereinander.
- Leitung absuchen: Schleppkette, Durchführungen, Klemmstellen.
- Klemmkasten öffnen und auf Feuchtigkeit und Kriechspuren prüfen.
Gerät oder Anlage? Verschwindet F03 mit abgeklemmtem Motorkabel, liegt es an Motor oder Leitung. Bleibt es, ist die Leistungsendstufe betroffen. Trat der Fehler beim ersten Einschalten nach längerer Lagerung auf, ist es fast immer ein Schaden, den eine Formierung des Zwischenkreises verhindert hätte.
F04 — Chopper-Fehler
Was bedeutet F04? F04 betrifft den Bremschopper. Der Umrichter kann Bremsenergie nicht mehr in den Bremswiderstand abführen. Typisch sind ein durchgebrannter oder falsch dimensionierter Bremswiderstand, eine unterbrochene Zuleitung — oder ein defekter Chopper-Transistor im Gerät.
Mögliche Ursachen
| Ursache | Woran Sie es erkennen |
|---|---|
| Bremswiderstand durchgebrannt | Sichtprüfung und Widerstandsmessung geben schnell Klarheit |
| Zuleitung zum Widerstand unterbrochen | Häufig durch Vibration an den Klemmen |
| Widerstand unterdimensioniert | Bei häufigem Bremsen im Zyklus |
| Chopper-Transistor defekt | Gerätefehler — Instandsetzung erforderlich |
So grenzen Sie ein
- Bremswiderstand messen und mit dem Sollwert des Typenschilds vergleichen.
- Klemmstellen prüfen, auch auf thermische Verfärbung.
- Bremszyklen bewerten: Passt die Auslegung noch zum aktuellen Prozess?
Einschätzung aus der Werkstatt: Ist der Widerstand in Ordnung und der Fehler bleibt, liegt es am Chopper im Gerät. Das ist ein klassischer Reparaturfall mit gutem Kosten-Nutzen-Verhältnis.
F07 — Überspannung im Zwischenkreis
Was bedeutet F07? F07 bedeutet, dass die Zwischenkreisspannung den zulässigen Wert überschreitet. Ursache ist fast immer generatorische Energie beim Bremsen, die nicht abgeführt wird — oder ein Zwischenkreis, dessen Kondensatoren ihre Kapazität verloren haben und Spannungsspitzen nicht mehr puffern.
Mögliche Ursachen
| Ursache | Woran Sie es erkennen |
|---|---|
| Bremsrampe zu kurz | Der Antrieb speist mehr Energie zurück, als abgeführt werden kann |
| Bremswiderstand fehlt oder ist defekt | Siehe auch F04 |
| Netzüberspannung | Messung im Betrieb erforderlich |
| Zwischenkreis-Kondensatoren gealtert | Kapazität gesunken, die Spannungspufferung reicht nicht mehr — häufigster Grund bei Geräten ab etwa zehn Betriebsjahren |
So grenzen Sie ein
- Zwischenkreisspannung messen — im Leerlauf und beim Bremsen.
- Bremsrampe verlängern und beobachten, ob der Fehler verschwindet.
- Netzspannung prüfen, auch auf Oberschwingungen.
- Kondensatoren bewerten: Kapazität und Innenwiderstand messen — das geht nur im ausgebauten Zustand auf dem Prüfstand.
Einschätzung aus der Werkstatt: Sind die Elkos gealtert, ist F07 nur das erste Symptom. Ein Kondensatortausch mit anschließender Formierung stellt das Gerät wieder her und verhindert die Folgefehler F01 und F11.
F08 — Drehzahlüberwachung
Was bedeutet F08? F08 meldet, dass die Istdrehzahl den überwachten Grenzwert überschritten hat — oder dass der Geber eine andere Drehrichtung meldet als die, in die der Antrieb laufen soll.
Mögliche Ursachen
| Ursache | Woran Sie es erkennen |
|---|---|
| Geberspuren vertauscht | Der Antrieb meldet die falsche Drehrichtung, oft nach Arbeiten am Geber |
| Geberkupplung rutscht durch | Drehzahl springt oder bleibt hinter der Sollvorgabe zurück |
| Antrieb mechanisch überlastet oder blockiert | Der Regler kommt der Sollvorgabe nicht nach |
| Grenzwert oder Rampe zu eng gesetzt | Tritt reproduzierbar in derselben Bewegungsphase auf |
| Geberkarte defekt | Signal fehlt oder springt, auch bei geprüftem Geber |
So grenzen Sie ein
- Drehrichtung vergleichen: Läuft der Antrieb mechanisch so, wie die Steuerung es erwartet?
- Geberspuren prüfen — A und B vertauscht ergeben genau dieses Fehlerbild.
- Geberkupplung und Geberwelle auf Schlupf und festen Sitz kontrollieren.
- Grenzwert und Rampenzeiten gegen die tatsächliche Massenträgheit halten.
Gerät oder Anlage? Meist steckt die Anlage dahinter: Geber, Kupplung oder Mechanik. Bleibt F08 auch mit geprüftem Geber und entlastetem Antrieb, gehört die Geberkarte auf den Prüfstand.
F11 — Übertemperatur Kühlkörper
Was bedeutet F11? F11 — je nach Gerätegeneration auch als E11.01 angezeigt — meldet einen zu heißen Kühlkörper. Neben verschmutzten Kühlrippen und ausgefallenen Lüftern ist ein steigender Innenwiderstand der Zwischenkreis-Kondensatoren eine häufig übersehene Ursache: Sie erzeugen zusätzliche Verlustwärme im Gerät.
Mögliche Ursachen
| Ursache | Woran Sie es erkennen |
|---|---|
| Kühlrippen verschmutzt | Besonders in staubiger Umgebung, häufigste Ursache |
| Lüfter defekt oder blockiert | Lager laufen fest, die Förderleistung sinkt |
| Umgebungstemperatur zu hoch | Schaltschrankklima prüfen, nicht nur das Gerät |
| Erhöhter Innenwiderstand der Elkos | Gealterte Kondensatoren heizen sich selbst auf — der Umrichter wird warm, obwohl die Kühlung funktioniert |
So grenzen Sie ein
- Kühlkörper und Lüfter sichtprüfen und reinigen.
- Lüfterlauf im Betrieb kontrollieren.
- Schaltschranktemperatur unter Volllast messen.
- Gerät thermisch bewerten: Wird es trotz sauberer Kühlung heiß, sind meist die Elkos die Ursache.
Einschätzung aus der Werkstatt: Reinigung und Lüftertausch sind Wartungsarbeiten. Bleibt das Gerät danach zu warm, lohnt die Instandsetzung des Zwischenkreises — sonst folgt der Ausfall im laufenden Betrieb.
O-t — Übertemperatur (Direktanzeige)
Was bedeutet O-t? Die Anzeige O-t signalisiert dieselbe thermische Überlastung wie F11, wird aber direkt im Display ausgegeben. Ursachen und Vorgehen sind identisch — der Umrichter schaltet ab, bevor Bauteile Schaden nehmen.
Mögliche Ursachen
| Ursache | Woran Sie es erkennen |
|---|---|
| Kühlung unzureichend | Siehe F11 — Verschmutzung, Lüfter, Umgebungstemperatur |
| Dauerbetrieb an der Leistungsgrenze | Auslegung des Antriebs prüfen |
So grenzen Sie ein
- Vorgehen wie bei F11.
- Lastprofil prüfen: Läuft der Antrieb dauerhaft nahe der Nennleistung?
Einschätzung aus der Werkstatt: Wiederholt sich die Abschaltung trotz sauberer Kühlung, gehört das Gerät auf den Prüfstand.
F14 — Kurzschluss Geber
Was bedeutet F14? F14 meldet einen Kurzschluss oder eine Störung im Geberkreis — in der Geberleitung, am Geber selbst oder auf der Geberkarte, etwa einer DEH11B.
Mögliche Ursachen
| Ursache | Woran Sie es erkennen |
|---|---|
| Kurzschluss oder Aderbruch in der Geberleitung | Häufig an Steckern und beweglichen Leitungsteilen |
| Schirm nicht oder beidseitig aufgelegt | Störungen treten erst im Betrieb auf, nicht im Stillstand |
| Geber defekt | Signal fehlt oder ist unsauber, Geberversorgung bricht ein |
| Geberkarte defekt | F14 bleibt auch mit abgeklemmtem Geber |
| Falscher Gebertyp parametriert | Tritt direkt nach Inbetriebnahme oder Gerätetausch auf |
So grenzen Sie ein
- Geberleitung durchmessen — Adern gegeneinander und gegen den Schirm.
- Geber abklemmen und erneut einschalten. Bleibt F14, ist die Geberkarte betroffen.
- Geberversorgung messen direkt am Geberstecker, nicht nur an der Karte.
- Stecker und Verschraubungen prüfen: Sitz, Verschmutzung, Kontaktkorrosion.
Gerät oder Anlage? Bleibt F14 mit abgeklemmtem Geber bestehen, liegt es an der Geberkarte im Gerät. Verschwindet er, suchen Sie in Leitung und Geber weiter.
F26 — Externer Fehler
Was bedeutet F26? F26 ist kein Gerätefehler. Der Umrichter meldet, dass an einer als Störeingang parametrierten Klemme ein externes Signal anliegt — etwa von einer Sicherheitseinrichtung, einem Motorschutzschalter oder der übergeordneten Steuerung.
Mögliche Ursachen
| Ursache | Woran Sie es erkennen |
|---|---|
| Externe Sicherheitseinrichtung ausgelöst | Not-Halt, Türkontakt, Schutzeinrichtung |
| Motorschutzschalter gefallen | Prüfen, warum — oft Folge eines anderen Problems |
| Signal der übergeordneten Steuerung | SPS-Programm prüfen |
| Verdrahtungsfehler an der Klemme | Besonders nach Umbauten |
So grenzen Sie ein
- Klemme identifizieren, die als Störeingang parametriert ist.
- Signalquelle zurückverfolgen bis zum auslösenden Element.
- Verdrahtung prüfen, falls kurz zuvor an der Anlage gearbeitet wurde.
Einschätzung aus der Werkstatt: F26 wird durch die Anlage ausgelöst, nicht durch den Umrichter. Eine Reparatur des Geräts ist hier in aller Regel nicht erforderlich.
F27 — Endschalter fehlen
Was bedeutet F27? F27 meldet, dass die erwarteten Endschaltersignale fehlen — entweder weil sie gar nicht angeschlossen sind, oder weil das Signal nach der Bremseneinfallzeit wegfällt.
Mögliche Ursachen
| Ursache | Woran Sie es erkennen |
|---|---|
| Endschalter nicht angeschlossen | Typisch nach Umbau, Gerätetausch oder Erstinbetriebnahme |
| Leitungsbruch zum Endschalter | Die Überwachung arbeitet im Ruhestromprinzip — fehlt das Signal, meldet sie |
| Schalter mechanisch defekt oder verschmutzt | Schaltpunkt wird nicht mehr sauber erreicht |
| Signalverlust nach Bremseneinfallzeit | Der Fehler kommt erst, wenn die Bremse gefallen ist |
| Klemmen falsch zugeordnet | Parametrierung der Digitaleingänge passt nicht zur Verdrahtung |
So grenzen Sie ein
- Beide Endschaltersignale an den Klemmen messen — im Ruhezustand muss Signal anliegen.
- Schalter von Hand betätigen und das Umschalten an der Klemme mitverfolgen.
- Leitung durchmessen, besonders an beweglichen Abschnitten.
- Klemmenbelegung in den Parametern mit der tatsächlichen Verdrahtung vergleichen.
Gerät oder Anlage? Praktisch immer die Anlage. F27 entsteht außerhalb des Umrichters — einschicken lohnt hier nur, wenn die Digitaleingänge selbst nicht mehr schalten.
F31 — Temperaturermittlung Motor
Was bedeutet F31? F31 meldet, dass der Motor zu heiß ist — oder dass der Temperaturfühler TF beziehungsweise TH kein verwertbares Signal liefert.
Mögliche Ursachen
| Ursache | Woran Sie es erkennen |
|---|---|
| Motor tatsächlich überhitzt | Gehäuse ist heiß, oft zusammen mit Überlast oder zu vielen Anläufen |
| Fühler oder Fühlerleitung unterbrochen | Die Überwachung wertet den fehlenden Fühler wie eine Übertemperatur |
| Fühler nicht angeschlossen, aber überwacht | Tritt direkt nach Gerätetausch oder Umverdrahtung auf |
| Motorlüfter oder Kühlrippen verschmutzt | Der Motor läuft dauerhaft heißer als vorgesehen |
| Falscher Fühlertyp an den Klemmen | TF und TH sind nicht gegeneinander austauschbar |
So grenzen Sie ein
- Motortemperatur prüfen — ist der Motor wirklich heiß, oder meldet nur der Fühler?
- Fühlerwiderstand messen: Ein Kaltleiter ist im kalten Zustand niederohmig, eine Unterbrechung erkennen Sie sofort.
- Fühlerleitung von der Klemme bis zum Motorklemmkasten durchmessen.
- Lüfterhaube und Kühlrippen reinigen, Lüfterrad auf Beschädigung prüfen.
Gerät oder Anlage? Fast immer Motor oder Anlage. Der Umrichter meldet hier nur, was der Fühler ihm sagt — einschicken lohnt erst, wenn Fühler und Leitung nachweislich in Ordnung sind.
F43 — Timeout RS485
Was bedeutet F43? F43 meldet einen Kommunikationsfehler an der RS485-Schnittstelle: Der Umrichter hat innerhalb der überwachten Zeit kein gültiges Telegramm mehr erhalten.
Mögliche Ursachen
| Ursache | Woran Sie es erkennen |
|---|---|
| Leitungsbruch oder Wackelkontakt | Der Fehler kommt sporadisch, oft bei Erschütterung |
| Abschlusswiderstand fehlt oder ist doppelt gesetzt | Bus arbeitet unzuverlässig, besonders bei größeren Längen |
| Adern A und B vertauscht | Es kommt gar keine Verbindung zustande |
| Steuerung sendet nicht mehr | Andere Teilnehmer am selben Bus melden zeitgleich |
| Baudrate, Adresse oder Timeout falsch gesetzt | Typisch nach Gerätetausch oder Programmänderung |
So grenzen Sie ein
- Buskabel und Stecker prüfen, besonders Durchgangsklemmen und Abzweige.
- Abschlusswiderstände kontrollieren: genau einer an jedem Busende, sonst keiner.
- Adresse und Baudrate im Umrichter mit der Steuerung vergleichen.
- Timeout-Zeit prüfen — zu knapp gesetzt, meldet sie schon bei normalen Buspausen.
Gerät oder Anlage? Meist Verkabelung oder Steuerung. Bleibt F43 auch bei direkter Verbindung zu einem einzelnen Teilnehmer, kommt die Schnittstelle im Gerät infrage.
F44 — Auslastung (I²t)
Was bedeutet F44? F44 ist eine Überlastabschaltung: Der Umrichter hat über längere Zeit mehr Strom geliefert, als thermisch zulässig ist. Anders als bei F01 steckt kein Kurzschluss dahinter, sondern anhaltende Überlastung — die Ursache liegt meist in der Anlage.
Mögliche Ursachen
| Ursache | Woran Sie es erkennen |
|---|---|
| Mechanische Schwergängigkeit | Lager, Getriebe, Führungen — der Antrieb arbeitet gegen Widerstand |
| Antrieb unterdimensioniert | Der Prozess hat sich geändert, die Auslegung nicht |
| Zu häufige Anläufe | Der Zyklus überschreitet die zulässige Schalthäufigkeit |
| Falsche Motorparameter | Der Umrichter rechnet mit falschen Kenndaten |
So grenzen Sie ein
- Motorstrom im Betrieb messen und mit dem Typenschild vergleichen.
- Mechanik prüfen: Lässt sich der Antrieb im spannungsfreien Zustand leicht drehen?
- Motorparameter im Umrichter gegen das Typenschild abgleichen.
- Zyklus bewerten: Anläufe pro Stunde gegen die zulässige Schalthäufigkeit.
Einschätzung aus der Werkstatt: F44 zeigt fast immer auf die Anlage, nicht auf das Gerät. Wird die Ursache nicht beseitigt, führt die dauerhafte thermische Belastung mittelfristig zum echten Umrichterschaden.
F79 — Lageregler / Feldbus
Was bedeutet F79? F79 tritt im Zusammenhang mit der Lageregelung und der Feldbusanbindung auf — häufig beim Anlauf oder bei Kommunikationsproblemen über Optionskarten wie PROFIBUS.
Mögliche Ursachen
| Ursache | Woran Sie es erkennen |
|---|---|
| Optionskarte nicht erkannt | Tritt direkt nach dem Einschalten auf, oft nach einem Kartentausch |
| Optionskarte nicht sauber gesteckt | Fehler kommt sporadisch oder nach Transport der Anlage |
| Buskonfiguration passt nicht zur Steuerung | Nach Programmänderung oder Austausch der SPS |
| Steuerwort fehlt beim Anlauf | Der Antrieb geht nicht in Freigabe |
| Lageregelung ohne gültige Referenz | Nach Spannungsausfall oder ohne Referenzfahrt |
So grenzen Sie ein
- Optionskarte im spannungsfreien Zustand ziehen und neu stecken.
- Buskonfiguration in der Steuerung gegen die Parametrierung im Umrichter halten.
- Anlaufreihenfolge prüfen: Liegt die Freigabe an, bevor der Sollwert kommt?
- Referenzfahrt durchführen und beobachten, ob F79 danach ausbleibt.
Gerät oder Anlage? Tritt F79 auch ohne gesteckte Optionskarte und ohne Bus auf, gehört das Gerät auf den Prüfstand. Sonst liegt es an Konfiguration, Karte oder Steuerung.
4210 — Motor-Übertemperatur
Was bedeutet 4210? Der Code 4210 — in manchen Anzeigen hexadezimal als 4210, dezimal als 16912 — meldet eine zu hohe Motortemperatur. Die Rückmeldung stammt vom Temperaturfühler im Motor, nicht vom Umrichter selbst.
Mögliche Ursachen
| Ursache | Woran Sie es erkennen |
|---|---|
| Motor thermisch überlastet | Siehe auch F44 — die Ursache liegt im Prozess |
| Motorlüftung blockiert | Lüfterhaube verschmutzt, Fremdlüfter ausgefallen |
| Temperaturfühler oder Zuleitung defekt | Meldung ohne tatsächliche Erwärmung |
| Fühlertyp falsch parametriert | PTC gegen KTY verwechselt |
So grenzen Sie ein
- Motortemperatur unabhängig messen — stimmt die Meldung überhaupt?
- Fühlerwiderstand messen und mit dem Datenblatt vergleichen.
- Motorlüftung prüfen, besonders bei Fremdlüftern.
- Parametrierung des Fühlertyps kontrollieren.
Einschätzung aus der Werkstatt: Ist der Motor tatsächlich zu heiß, liegt das Problem am Antrieb oder Prozess. Meldet der Fühler falsch, genügt oft der Tausch des Fühlers oder eine Korrektur der Parametrierung.
Warum schaltet ein SEW-Umrichter unter Last ab?
Warum schaltet ein SEW-Umrichter unter Last ab? Ein SEW-Umrichter schaltet unter Last ab, weil Ausgangsstrom, Zwischenkreisspannung und Verlustwärme dann gleichzeitig an ihre Grenze kommen. Der Ausgangsstrom steigt — meldet der Umrichter F01, liegt es entweder an der Mechanik, am Motorkabel oder an einer bereits geschädigten Endstufe. Die Zwischenkreisspannung bricht unter Stromspitzen ein, wenn die Kondensatoren an Kapazität verloren haben. Und die Verlustwärme steigt mit dem Quadrat des Stroms, weshalb F11, O-t oder F44 fast immer unter Last kommen und nie im Leerlauf.
Der schnellste Test vor Ort: Motorkabel abklemmen und den Umrichter ohne Antrieb freigeben.
Bleibt der Fehler, liegt er im Gerät. Verschwindet er, suchen Sie in der Anlage weiter — Bremse,
Getriebe, Kabel, Motorwicklung. Ein Fehler, der erst nach Minuten Betrieb erscheint, deutet auf
Wärme; einer, der sofort beim Anlauf kommt, auf Strom. Ein Kurzschluss am Umrichterausgang oder ein
Erdschluss im Motorkabel meldet sich dagegen sofort beim Freigeben. Tritt die Abschaltung beim
Bremsen auf, gehören Bremswiderstand und Verzögerungszeit auf die Liste: Eine zu kurz
eingestellte Verzögerungszeit treibt die Zwischenkreisspannung nach oben.
Wie setze ich einen SEW-Fehler zurück?
Wie setze ich einen SEW-Fehler zurück? Für den Fehler-Reset gibt es drei
Wege: Netz aus und nach einigen Sekunden wieder ein, ein Reset über einen entsprechend
parametrierten Digitaleingang, oder der manuelle Reset über die Bedieneinheit beziehungsweise
den Feldbus. Welcher Weg bei Ihrer Baureihe vorgesehen ist, steht in der Betriebsanleitung —
bei Fehlern mit Verriegelung hilft ohnehin nur das Abschalten der Netzspannung.
Wichtig ist, was der Reset nicht leistet: Er quittiert die Meldung, nicht die Ursache. Kommt
derselbe Code nach dem Zurücksetzen sofort oder nach kurzer Laufzeit wieder, ist er kein
Parameter-, sondern ein Hardwareproblem. Wiederholtes Quittieren belastet dann nur weiter, was
ohnehin schon defekt ist.

Der gemeinsame Nenner: der Zwischenkreis
Überspannung, Überstrom und Übertemperatur wirken wie drei verschiedene Probleme — haben aber oft
dieselbe Wurzel. Elektrolyt-Kondensatoren verlieren über die Jahre Kapazität, die Zwischenkreisspannung
wird instabil, und ihr steigender Innenwiderstand erzeugt zusätzliche Wärme. Geräte, die lange
spannungslos lagern, bauen zudem ihre Oxidschicht ab und schlagen beim Einschalten durch.
Genau das verhindert regelmäßige ZK-Formierung und
vorbeugende Instandhaltung.
Typen und Baureihen von SEW-Eurodrive
Welche Typen wir regelmäßig instand setzen, typische Fehlerbilder und der Ablauf der Reparatur: SEW Movidrive, SEW Movitrac 31C, SEW Movitrac B / MC07. Alles zu SEW-Eurodrive auf der Seite SEW-Eurodrive.
Gerät einsenden
Hilfreich für die Befundung sind die technischen Daten vom Typenschild: Typ, Baugröße, Leistung und Baujahr. Damit ordnen wir Baureihe und Ersatzteile zu, bevor das Gerät auf dem Prüfstand liegt.
Bitte notieren Sie den Fehlercode auf dem Reparaturbegleitschein — das verkürzt die Befundung
erheblich. Die Befundung ist kostenlos, den Kostenvoranschlag erhalten Sie in der Regel innerhalb
von 48 Stunden nach Geräteeingang. Bei Maschinenstillstand erreichen Sie uns rund um die Uhr unter
0208 810 883 20.




